Die Ränge

Bei den Prätorianern nahmen schöne Karrieren ihren Lauf.
Lucius Pompeius Reburrus beispielsweise, ein Spanier, trat nach der Musterung in deren VII. Kohorte ein, diente danach als beneficiarius des Tribunen, als tesserarius, als Optio, Signumträger, Finanzkurator, cornicularius des Tribunen und schließlich als Evocatus, genauer gesagt als kaiserlicher Evocatus, ein Titel der übrigens den Prätorianern vorbehalten war. Aufgrund der Reihenfolge scheint es so, dass der Signumträger über dem Optio stand.
Wir kennen weiter eine Torwache, den Ostiarius, eine Doktor der Bogenkunst, einen Caelator (ein Graveur oder Ziseleur) sowie einen Priester mit Sonderbezeichnung sacerdos und antistes.
Verwaltungsposten treten uns in Überfülle entgegen, was uns nicht überrascht, da der Prätorianerpräfekt auch als Minister, Richter und Kriegsminister fungierte.

Lectus:
Als Rekrut ausgewählter Soldat; auch lectus ex legione, aus einer legio ausgesucht, um in eine cohors praetoria versetzt zu werden.

Munifex:
Einfacher Soldat.

Immunes:
Mannschaftsdienstgrade, die von der normalen Arbeitspflicht (munera) der Soldaten befreit waren.
Im 5. Dienstjahr konnte der Prätorianer übergehen zu den equites (Reitern) oder den
aeneatores (Musikern: Trompeter und Hornisten) oder den
speculatores (Elite der Prätorianer, die in der nächsten Umgebung des Kaisers dienten).

Speculator:
Ursprünglich die Bezeichnung für Kundschafter.
In der Kaiserzeit bildeten die berittenen speculatores praetoriani in der Stadt Rom die Elite der cohortes praetoriae. Ihre enge Bindung an den Kaiser äußerte sich in Formulierungen wie speculator augusti. Diese Truppe  verfügte über einen eigenen Reitlehrer und wurde von einem centurio speculatorum kommandiert.

Principalis:

Im 8.Dienstjahr: Tesserarius, Optio, Signifer
fisci curator peditum vel equitum: Zahlmeister der Fußtruppen und Reiter.
cornicularius tribuni: Kanzleichef des Tribunen.
beneficiarius praefectorum: Ordonanz der beiden Präfekten.
cornicularius praefectorum: Kanzleichef der Präfekten.

Evocati:
Soldaten, die nach der Erfüllung der Regeldienstzeit (16 Dienstjahre) freiwillig länger dienten.
Evocati der Prätorianer, die zu den Legionen wechselten, wurden dort als evocati augusti in höherem Rang eingestellt, meist als Ausbilder.

Centurio:

centurio cohortis praetoriae
Befehlshaber einer Centurie. Im Gegensatz zu den Legionen waren Prätorianerzenturionen untereinander ranggleich.
Direkt in die praetorische Laufbahn eintreten konnten mit diesem Dienstgrad die ex equite romano (aus dem römischen Ritterstand) stammende Offiziere. Unter anderem als:
exercitator equitum praetorianorum (Lehrmeister und Ausbilder im Reiten).
princeps praetorii (Chef des kaiserlichen Stabes).
trecenarius (Centurio der speculatores).

Tribunes:
tribunus cohortis praetoriae
Niedrigster Stabsoffiziersrang, bei den Prätorianern üblicherweise aus der Ritterklasse.
Im Gegensatz zur Legion Befehlshaber nur einer einzigen Kohorte. Die Tribunen bekamen auch vom Caesar die Parole für den Tag.

,...und als der Tribun nach des Dienstes Brauch um die Parole bat, gab Nero die Losung:"Der besten Mutter." (Tacitus, Buch XIII, 2)

Präfekt:
praefectus praetoriae
Neben den Kohorten unterstanden den Befehlshabern der Prätorianergarde, den praefecti, von denen es in der Regel jeweils zwei gab, gelegentlich aber auch nur einen, weitere Truppenteile.
Dies waren die speculatores und die statores (Polizei) die durch die Kaiser vor allem als politische Polizei, aber auch für Kurierdienste eingesetzt wurden, sowie die durch Galba geschaffene persönliche Kavallerie des Kaisers, die equites singulares augusti. Als Standeszeichen trugen die Präfekten, da sie Ritter waren, einen Goldring (anulus aureus) und einen vom Kaiser überreichten Dolch.

...als er (Trajan) ihm (Suburanus) als Zeichen seiner Befehlsgewalt, wie üblich, einen Dolch überreichte,... (Aurelius Victor, Die römischen Kaiser, 13,9)

Alexander Severus verlieh seinen Prätorianerpräfekten den senatorischen Rang und das Prädikat von viri clarissimi, was früher nur selten oder überhaupt noch nicht der Fall gewesen war, pflegten doch Kaiser, die einem Prätorianerpräfekten einen Nachfolger zu geben wünschten, eben diesem durch einen Freigelassenen die mit einem breiten Purpurstreifen besetzte Tunika zu übersenden. Alexander dagegen wollte die Prätorianerpräfekten deshalb zu Senatoren sehen, damit nicht ein Nichtsenator über einen römischen Senator zu Gericht sitze. Vor Severus Alexander wurde die Senatorenwürde den Prätorianerpräfekten erst bei ihrem Ausscheiden aus dem Amt verliehen.



Der Praefectus praetoriae von Augustus bis Diokletian

Seit dem Jahr 2 v.Chr. war der Prätorianerpräfekt Kommandeur der römischen Gardetruppen, die den Kaiser beschützten. Ursprünglich ein Amt mit nur geringer Macht, änderte sich dies unter Tiberius. Mehrmals kam es zu Umsturzversuchen gegen den Kaiser. In späterer Zeit vereinigte das Amt mehrere Befugnisse (Verwaltung, Heer, Finanzen), insbesondere waren um 200 n.Chr. die Prätorianerpräfekten Papinian, Ulpian und Julius Paulus bedeutende römische Juristen, die gleichsam als Justizminister tätig waren und Wesentliches zur Weiterentwicklung des römischen Rechtes beitrugen. Im Laufe der Zeit erhielten sie von den Kaisern weitgehende richterliche Befugnisse in Straf- und Zivilsachen und übten bereits im 3.Jahrhundert eine selbständige Gerichtsbarkeit an Kaisers Statt aus.
Die Zahl der Praefecti schwankte. Urspünglich waren es zwei, später konnte es jedoch vorkommen, dass drei oder mehr Personen dieses Amt bekleideten, gerade weil sie im Laufe der Zeit so viele (auch zivile) Kompetenzen an sich gezogen hatten.


Der Praefectus praetorio seit der Zeit Konstantins des Großen

In der Spätantike änderte sich die Funktion des Amtes grundlegend.
Die Praefecti wurden im Jahr 312, in der Regierungszeit Konstantins des Großen, in Hinblick auf ihren militärischen Einfluss entmachtet. Zu oft hatten sie sich mit der Hilfe der Garde in die Politik eingemischt. Daher entband Konstantin sie von ihren militärischen Aufgaben - die Prätorianergarde, die Konstantins Rivalen Maxentius loyal gedient hatte, wurde aufgelöst - und wies ihnen stattdessen rein zivile Aufgaben zu. Die Prätorianerpräfektur wurde somit zum zentralen Verwaltungsorgan des Reiches und entwickelte sich schließlich zur ersten Verwaltungsebene unterhalb des Kaisers.
Im Verlauf des 4.Jahrhunderts enstanden drei Prätorianerpräfekturen, die von jeweils einem Prätorianerpräfekten verwaltet wurden:
° Praefectus praetorio per Orientem (für Thrakien, Kleinasien, Syrien und Ägypten)
° Praefectus praetorio Illyrici, Italiae et Africae und
° Praefectus praetorio Galliarum (für Britannien, Gallien und Hispanien).
Die Aufteilung des Reiches im Jahr 395 hatte Konsequenzen für die Präfekten, da die Präfektur Illyricum, Italica et Africa geteilt werden musste. Zum weströmischen Reich gehörten danach der Praefectus praetorio Galliarum und ein Praefectus praetorio Italiae et Africae (dem auch Pannonien unterstand), zum Oströmischen Reich der Praefectus praetorio per Orientem und ein Praefectus praetorio Illyrici.
Seine wichtige Rolle behielt das Amt bis zum Ende der spätantiken Phase Ostroms im 7.Jahrhundert n.Chr..
Auch im Westen überdauerte es in Italien bis in die Zeit der Ostgotenkönige. Als es dann unter Kaiser Justinian I. gelang, 534 n.Chr. das Vandalenreich zu erobern, wurde das Gebiet sogleich einem neuen Prätorianerpräfekten unterstellt. Das gleiche geschah auch mit Italien nach den Gotenkriegen.
Um 540 n.Chr. führte der mächtige praefectus praetorio per Orientem Johannes der Kappadokier in Ostrom zahlreiche weitreichende Reformen durch. Erst mit dem Verlust der syrischen und afrikanischen Reichsgebiete am Ende der Antike (632 n.Chr.) und der Neuorganisation des verbliebenen Reiches in Themen verlor es seine zentrale Stellung und wurde bald abgeschafft.
Die verbliebenen westlichen Gebiete in Italien und Nordafrika waren bereits unter Kaiser Maurikios als Exarchate reorganisiert worden.