Organisation

Im Feld waren die Prätorianer jeder Einheit der römischen Armee gleichgestellt. Von den ersten Kaisern nur selten eingesetzt, wurden sie ab dem Jahr 69 wesentlich aktiver. Sie kämpften in der ersten Schlacht von Bedriacum für Otho, unter Domitian und Trajan in Dakien und Mesopotamien, während sie unter Marcus Aurelius Jahre an der Donaufront verbrachten.

Obwohl die Prätorianer Ähnlichkeiten mit den Legionstruppen aufwiesen, gab es doch einige Unterschiede.  Ihre Kohorten waren größer, der Sold und die zusätzlichen Leistungen waren besser, und auf ihr militärisches Vermögen war Verlass und sie erhielten höhere Geldgeschenke (donativa) von den Kaisern als die regulären Truppen.

Unter Augustus bestanden die Kohorten der Prätorianer aus insgesamt 4.500 Männern, die aus der regulären Armee oder der Jugend von Etrurien, Umbrien und Latinum rekrutiert wurden, später aus Macedonia, Hispania Baetica, Hispania Tarraconensis, Lusitania und Illyricum. Allerdings schreibt Cassius Dio, dass auch Gallier Dienst in der Garde verrichteten. Vitellius bildete eine neue Garde aus den germanischen, Septimius Severus aus den pannonischen Legionen. Darüber hinaus stellte er den Ersatz für die Ränge aus dem gesamten Reich zusammen. Zur Zeit des Augustus, etwa um 5 n.Chr. bestand jede Kohorte der Prätorianer aus 500 Männern, jedoch war, wie bei den anderen Legionen, der sofort einsetzbare Teil wesentlich kleiner. Tacitus berichtet, dass die Zahl der Kohorten im Jahr 47 von neun auf zwölf erhöht wurde, im Jahr 69 wurde sie kurzzeitig auf 16 aufgestockt. Vespasian, der sich auf die verärgerten Kohorten verließ, reduzierte ihre Zahl wieder auf neun, als er den Thron bestieg.

Von Domitian wurden sie schließlich wieder auf zehn angehoben, was auch so blieb, so dass im Ergebnis mit den Speculatores eine Elitetruppe von 5.300 Mann zur Verfügung stand.  Mit der Einführung der equites singularis augusti wuchs diese Truppe sogar 6.300 Mann an. Diese berittene kaiserliche Leibgarde unterschied sich anscheinend durch eine ungewöhnliche Stiefelform, die caliga speculatoria. Sie wurden von Trajan als zukünftiger Herrscher Roms wohl in Köln aus den existierenden singulares des Statthalters gegründet. Die Prätorianer waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Rom in Köln eingetroffen, um ihn zu beschützen. Manche von ihnen gaben später auf ihren Grabsteinen in Rom an, dass sie aus der CCAA (Köln) stammten. Ab Septimius Severus, der den Sollbestand der Kohorten auf je 1.000 Mann erhöhte, wuchs die Truppe sogar auf 11.300 Elitekämpfer! Cassius Dio bestätigt die zehn Kohorten mit 10.000 Mann.

Diokletian verminderte die Anzahl die Prätorianer. Wir wissen allerdings nicht auf welche Größe. Da es im Jahre 306 n.Chr. noch 10 Kohorten gab, muss es sich um die Sollstärke handeln.

Das war aber noch nicht alles! Dem Kaiser standen auch noch andere Einheiten zur Verfügung.

Die städtischen Kohorten:

Von Augustus gegen 13 v.Chr nach demselben Muster organisiert bestand die Aufgabe dieser drei Kohorten in Polizeiaufgaben. Befehligt wurden sie im 1. Jahrhundert von einem adligen Stadtpräfekten aber im 2. Jahrhundert kamen sie unter den Befehl des Prätorianerpräfekten. Gegen 20-23 wurden sie in demselben Lager wie die Prätorianer einquartiert, wo sie auch bis 270 n.Chr. blieben. Im Jahr 270 ließ ihnen Aurelian ein eigenes Lager bauen, die castra urbana auf dem Marsfeld.

Die Wachkohorten

In Rom selbst befand sich mit den sieben Wachkohorten eine im Vergleich zu den Prätorianern und den urbaniciani erheblich weniger angesehene Truppe. Sie wurde von Augustus im Jahre 6 v.Chr. geschaffen und war von Anfang an zu 1000 Männern pro Kohorte organisiert. Sie bestand aus Männern, die zwei Funktionen ausübten: Nachtwache und ständige Feuerwehr.

 


Die Gliederung

Befehligt wurden diese Kohorten von dem oder den beiden Prätorianerpräfekten; diese stammten aus dem Ritterstand.

Jede Kohorte hatte einen Tribunen und sechs Centurionen als Offiziere. Die letzteren sind untereinander gleich, mit Ausnahme des Trecenarius, der oberste von allen, dessen Namen sich dadurch erklären läßt, dass er auch die 300 Speculatores (eine andere Leibgarde des Kaisers) leitete und seines Adjutanten, des Princeps Castrorum. Die Prätorianerkohorten wurden equitatae genannt, sie bestanden also aus einigen Reitern und einer Mehrheit von Infanteristen.

Auch die 300 Speculatores waren im gleichen Lager untergebracht und unterstandem dem Befehl des Präfekten. In der unmittelbaren Umgebung des princeps wurde dessen Sicherheit nur von der kaiserlichen Privatreiterei gesichert, die equites singulares augusti, nicht zu verwechseln mit den equites singularis in den Provinzen, die den Legionslegaten und den Statthaltern zugeordnet waren. Von Trajan geschaffen, waren sie auch in einem numerus von ca. 1000 Männern am Anfang des 2. Jahrhunderts organisiert. Als Offiziere hatten sie Dekurionen, einen decurio princeps und einen Tribun (zwei seit Septimius Severus), der dem Prätorianerpräfekten unterstellt war. Sie waren in zwei Lagern einquartiert: zunächst im "alten Lager", dann im "neuen Lager", beide in der Nähe des Laterans.


Von einer Inschrift aus Rom wissen wir, dass die 1. Prätorianerkohorte auch die rächende genannt wurde.

"Der heiligen Nemesis des Exerzierplatzes, zu Ehren unserer kaiserlichen Herrscher. Publius Aelius Pacatus, in die Tribus Aelia eingeschrieben, aus Scupi (Stadt in Moesien, heute Uskub) stammend, durch einen Traum veranlaßt, hat reinen Herzens diese Widmung aufstellen lassen, die er gelobt hatte, als er Doktor der Kohorte war, jetzt da er Doktor des Exerzierplatzes ist in der gottesfürchtigen und rächenden I.Prätorianerkohorte".

Wie auch die Legionäre durfte der Prätorianer nicht heiraten. Die Legionäre und auch die Auxiliare durften seit dem Jahr 197 n.Chr. eine Ehe schließen, die Prätorianer nicht! Sie konnten zwar eheähnlich mit Bürgerinnen oder Nichtbürgerinnen zusammenleben, erhielten aber nicht das conubium (Eherecht).

Die Ausbildung der Prätorianer

Bevor sie in die Garde aufgenommen wurden, haben sie harte, entbehrungsreiche Dienstjahre in den Legionen verbracht. Sie sind Aufsteiger, die schon oft für Senat und das Volk von Rom ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Ihr Ehrenkodex wird von ihnen selbstherrlich eine Stufe höher angesetzt als jener der Legionen. Sie sind stolz bis zum geht nicht mehr und besitzen einen ausgeprägten Korpsgeist.

Die Ausbildung der Gardisten war aufgrund der freien Zeit , die zur Verfügung stand, wenn sie nicht als Wache eingesetzt waren oder mit dem Kaiser reisten, mit Sicherheit intensiver als die in den Legionen, wobei die Garde den gleichen Vorschriften folgte wie die restliche Armee. Auch die Ausrüstung für das Feld war im Grunde die gleiche. Nur die Besten aus den Legionen erhielten die Möglichkeit, in die Elitetruppe der Prätorianer aufzusteigen, und nur die besten Offiziere avancierten als Centurionen oder Tribunen in der Garde.

Da die Mindestgröße laut Vegetius 1,72m sein musste, werden die Anforderungen an einen Prätorianer nicht geringer gewesen sein, eher höher. Von Neros eigener Legion wissen wir, dass diese sogar sechs Fuß groß sein mussten, also ca. 1,80 m. Wir dürfen nicht vergessen; ihre wichtigste Aufgabe war es die Sicherheit des Princeps zu gewährleisten. Es ist also logisch, dass dieser sich der besten Soldaten versicherte, sowohl in Friedenszeiten als auch auf Feldzügen. Der Princeps behielt sich ihre Ernennung und Beförderung vor. Sie waren sich bewußt, dass derr Herrscher Ungewöhnliches von ihnen fordern konnte und auch tat. Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass Tiberius im Jahr 14 seinen Sohn Drusus mit den Prätorianern nach Pannonien schickte, um die Meuterei der dortigen Legionen niederzuschlagen. Wer sonst, außer der Garde, hätte es wagen dürfen, die eigenen Leute zusammenzuschlagen!