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Während die Garde die Macht besaß, den Kaiser zu töten, spielte sie in der Reichsverwaltung und -politik, abgesehen von Personalentscheidungen im Palast, keine Rolle. Der erste Kaiser, der durch die Hand der Prätorianer fiel, war Kaiser Gaius (Caligula). Als Gaius sich weiterhin in jeder Art verrückt benahm (41 n.Chr.), bereiteten Cassius Charea und Cornelius Sabinus, obwohl Tribunen in der Prätorianergarde, gegen ihn einen Anschlag vor. Ziemlich viele gehörten zu den Verschwörern und wußten um den Plan, unter ihnen Callistus und der Praefectus Praetorio. (Xiphilinos 171, 13-18, Cassius Dio Buch 59) Nach der Ermordung des Caligula herrschte ein großes Durcheinander auf dem Palatin. Schon bald zeigte sich die Macht der Prätorianer. Inzwischen, während Bewaffnete auf Grund eines Senatsbeschlusses der Familie der Julier, auch der weiblichen Mitglieder, sowie der ganzen Verwandschaft habhaft zu werden versuchen, findet zufällig Vimius aus Epirus, ein Zenturio der Kohorten, die den Kaiserpalast an geeigneten Stellen abriegelten, Titus Claudius, der sich an einem abstoßenden Ort verborgen hielt, und ruft, nachdem er ihn hervorgezogen hatte, seinen Waffenbrüdern zu, wenn sie Verstand hätten, dann sei hier ein Kaiser zur Stelle. (Aurelius Victor, Die römischen Kaiser 3,17) Claudius wurde anschließend sofort ins Lager der Prätorianer gebracht, wo er zum Kaiser ausgerufen wurde, bevor der Senat geschlossen reagieren konnte. Später, bei der Verschwörung der Messalina, zeigte sich die Garde als sehr loyal gegenüber dem Kaiserhaus und schütze Tiberius vor einem Umsturz. Tiberius entsandte Narcissus, einige Centurionen und den wachhabenden Tribun, um die Hinrichtung zu vollziehen. Der wachhabende Tribun erstach Messalina in den Gärten des Lucullus im Beisein ihrer Mutter. Dann führte er (Narcissus) den Kaiser, der wütend war und Drohungen ausstieß, ins Prätorianerlager, wo die Soldaten schon versammelt waren. Nach einigen einleitenden Worten des Narcissus hielt der Kaiser nur eine kurze Ansprache; denn sein Unwillen, so berechtigt er auch war, hemmte sein Schamgefühl. Darauf folgte ein andauerndes Lärmen der Kohorten, die den Namen der Schuldigen und ihre Bestrafung forderten. (Tacitus, Buch XI, 35) Nachdem Britannicus durch Nero ermordet wurde, handelte man sehr schnell und führte Nero zu den Prätorianern: Endlich, am 13. Oktober mittags, wurden plötzlich die Tore des Kaiserpalastes geöffnet. Nero tritt in Burrus´ Begleitung zu der Kohorte heraus, die nach des Dienstes Brauch die Wache hatte. Hier wird er auf Anweisung des Präfekten mit Jubelrufen empfangen und in eine Sänfte gesetzt. Einige sollen gezögert, sich umgeschaut und gefragt haben, wo denn Britannicus sei. Schließlich aber folgten sie, da keiner etwas anderes veranlaßte, in der angegebenen Richtung nach. Nero wurde ins Prätorianerlager getragen, sagte einige dem Augenblick angemessene Worte, versprach nach dem Beispiel seines Adoptivvaters eine Schenkung und wird dann zum Imperator ausgerufen. Der Willensmeinung der Soldaten schloß sich der Senat an, und auch die Provinzen zögerten nicht. (Tacitus, Buch XII, 69) Als Nero plante alle Senatoren zu ermorden, die Stadt einzuäschern und nach Alexandria zu fahren, traten die Senatoren in Gespräche mit den Prätorianern und den anderen Truppen, die den Palast bewachten, und überredeten sie, sich mit ihnen zusammenzutun und Hand auf die römische Herrschaft zu legen. Sobald auch diese Truppen dem Plan des Senats beigetreten waren, erschlugen sie sogleich den praefectus praetorio Scipulus und verließen ihren Posten als kaiserliche Leibwache. Als Galba sich Rom näherte kam ihm die Garde entgegen und verlangte von ihm, dass sie die Dienststellung beibehalten könnten. Dieser zögerte jedoch und die Prätorianer schlugen solchen Lärm, dass Galba die Armee gegen sie aufbot. Über 7000 Soldaten fanden bei diesem Kampf den Tod. Von den überlebenden wurde jeder 10. hingerichtet. Als Galba auch noch das von Nymphidius versprochene Geld an die Prätorianer verweigerte, war im Grunde sein Ende schon besiegelt. Er meinte nur: "Ich bin gewohnt, Truppen auszuheben, nicht aber zu kaufen." Kurze Zeit später wurde er auf dem Forum erschlagen und sein Haupt auf einer Stange durch die Stadt getragen. Als Galba, mit einem Schuppenpanzer bekleidet, dorthin eilte, den Aufruhr zu dämpfen, wurde er in der Nähe des Curtius Sees erschlagen,... (Aurelius Victor, Die römischen Kaiser, 6,3)
Die Handlung die von Volk und Senat jedoch am meisten missbilligt wurde, folgte mit der berüchtigten Auktion im Jahre 193. Das Attentat auf Commodus war so improvisiert und geheim geplant worden, dass die Verschwörer nicht einmal Zeit hatten, die Nachfolge im Voraus zu regeln. So kam es, dass die Mörder mitten in der Nacht den älteren Helvius Pertinax, der zweimal römischer Konsul und einer der besten Generäle von Marcus Aurelius war, das Amt anboten. Er nahm an und wurde am Neujahrstag 193 n.Chr. Kaiser. Die Berufung war eine Katastrophe, denn Pertinax erwies sich als strenger und unbeliebter Zuchtmeister. Vor allem die Prätorianergarde nahm übel, dass die Gruppe im Palast einen Herrscher ermordet hatten, der ihnen genutzt hatte, und war angesichts dieser Situation sehr beunruhigt. Ein weiterer Fehler war es, dass er von den versprochenen 12.000 Sesterzen nur 6.000 auszahlte. Im März verließen 300 Prätorianer ihr Lager und stürmten den Palast. Als Pertinax sie einzuschüchtern versuchte, töteten sie ihn. Die Prätorianer bestanden darauf, dass niemand ohne ihre vorausgehende Zustimmung Kaiser werden dürfe, doch hatte sie keinen Kandidaten zur Hand. Da erschien außerhalb der Mauern der Castra Praetoria ein reicher Senator namens Didius Julianus. Zahlreiche Anhänger, die Slogans für Commodus skandierten, begleiteten ihn. Dort angelangt, versprach Julianus von der Mauer herab Riesensummen, während der Stadtpräfekt Sulpicianus, der Schwiegervater des Pertinax, vor versammelter Mannschaft den Thron für sich beanspruchte. Nachdem Julianus vor einem Kaiser warnte, der den Tod des Pertinax rächen würde, wurde er ins Lager eingelassen und gewann die Zustimmung der Garde, nachdem er ein höheres donativum an die Soldaten versprochen hatte als sein Rivale. Jedoch erwies er sich als schwacher Herrscher. Unfähig seine Versprechen einzulösen, wurde er daher nach nur zwei Monaten durch plötzlichen Tod aus dem Amt abberufen. Nachdem am 1. Juni 193 der Senat das Todeurteil über Didius Julianus gefällt hatte war der Weg frei für Septimius Severus. Nachdem Severus auf diese Art Kaiser geworden war, bestrafte er die Prätorianer, die an der Ermordung des Pertinax beteiligt gewesen waren, mit dem Tode, die übrigen ließ er noch vor seinem Eintreffen in Rom zu sich kommen und, ohne dass sie etwas von ihrem künftigen Schicksal wußten, auf einer freien Fläche umzingeln. Als sie dann versammelt waren, tadelte er sie und erklärte:"Als Männer zum Schutz des Kaisers bestimmt tragt ihr eure Schwerter nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite." Dann nahm er ihnen Waffen wie Pferde und verbannte sie aus Rom. Nachdem Maximus in den Krieg gezogen war, blieben die Veteranen der Prätorianer in Rom zurück. Die Hauptmasse der Garde hatte den Severus Alexander in den Germanenkrieg begleitet und befand sich deshalb bei Maximinus. Zwischen den Veteranen, den Gladiatoren und dem Volk kam es zu solchen Unruhen, dass sich ein Bürgerkrieg entwickelte, der größte Teil der Hauptstadt ging in Flammen auf und die Bevölkerung wurde von den Prätorianern massakriert. Anders als Aurelius Victor es darstellt, wurden jedoch nicht die Veteranen des Maximinus besiegt, sondern diese erschlugen am ersten Tag die Gladiatoren und die aufgestachelte Menge, die sich selbst bewaffnet hatte zurück. Erst als Balbinus den unmündigen Gordian im Purpur auf den Schultern dem Volk vorführte, beschwichtigte er den Aufruhr und man vertrug sich wieder.
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